
27.03.2026
Die UMONS und Materia Nova gründen den ersten europäischen Hub für Mikro- und Nanoplastik
UMONS
Die UMONS und Materia Nova haben am Freitag, dem 27. März 2026, offiziell den Hub für Mikro- und Nanokunststoffe im Hennegau ins Leben gerufen, eine in Europa einzigartige Einrichtung, die darauf abzielt, diese allgegenwärtige Umweltverschmutzung, die mittlerweile als globale Gesundheitskrise eingestuft wird, besser zu verstehen und zu bekämpfen.
In Mons ist eine europäische Premiere ins Leben gerufen worden. Der am Freitag, dem 27. März 2026, im Gebäude für Materialwissenschaften der UMONS eingeweihte Hub für Mikro- und Nanoplastik im Hainaut hat sich zum Ziel gesetzt, Licht in eine ebenso unsichtbare wie beunruhigende Umweltverschmutzung zu bringen, die mittlerweile sogar im menschlichen Körper zu finden ist.
Mikro- und Nanokunststoffe, die beim Abbau von Kunststoffen entstehen, kontaminieren heute alle Bereiche der Umwelt: Böden, Gewässer, Luft. Vor dem Hintergrund, dass die weltweite Kunststoffproduktion bereits fast 460 Millionen Tonnen erreicht – und bis 2060 die Milliardengrenze überschreiten könnte –, nimmt ihre Verbreitung stetig zu.
Noch besorgniserregender ist, dass diese Partikel eine neue Grenze überschritten haben: die des Lebendigen. Durch Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt gelangen sie nun in den menschlichen Organismus, wo sie in mehreren Organen und Körperflüssigkeiten nachgewiesen wurden. Jüngste Studien haben sogar ihre Präsenz im Gehirn nachgewiesen, und zwar in deutlich steigenden Konzentrationen.
Über ihre bloße Anwesenheit hinaus geben Mikro- und Nanokunststoffe Anlass zu großer wissenschaftlicher Besorgnis. Da sie biologische Barrieren überwinden können, sind sie in der Lage, giftige Substanzen wie Schwermetalle oder organische Schadstoffe zu transportieren. Ihre potenziellen Auswirkungen – Entzündungen, oxidativer Stress, neurologische Toxizität – werfen Fragen hinsichtlich ihrer Rolle bei der Entstehung schwerer Krankheiten auf.
„Heute besteht die eigentliche wissenschaftliche Herausforderung nicht mehr darin, festzustellen, ob Mikro- und Nanokunststoffe vorhanden sind, sondern darin, sie auf der Ebene lebender Organismen verfolgen, verstehen und kontrollieren zu können“, erklärt Samira Benali, Forscherin an der UMONS in der Abteilung für Polymer- und Verbundwerkstoffe. „Das Ziel ist es, von einer unsichtbaren Verschmutzung zu einer messbaren, rückverfolgbaren und letztendlich kontrollierbaren Verschmutzung zu gelangen“, fügt sie hinzu.
Die Forschung strukturieren und Lösungen beschleunigen
Angesichts dieser nach wie vor stark unterschätzten Problematik will der neue Hub die Forschung strukturieren und bisher verstreutes Fachwissen bündeln. Er wird gemeinsam von der UMONS und Materia Nova getragen und vereint Kompetenzen aus den Bereichen Materialwissenschaften, Umwelt, Biomedizin und Ingenieurwesen.
„Genau das ist das Ziel des Hubs: zum ersten Mal alle Kompetenzen zusammenzuführen, die erforderlich sind, um diese Problematik ganzheitlich anzugehen“, betont Prof. Philippe Dubois, Rektor der UMONS und Präsident von Materia Nova. „Wir wollen die Forschungsergebnisse beschleunigen und die internationale Sichtbarkeit von Hennegau in diesem aufstrebenden Bereich stärken.“
Das Ziel ist klar:von einer kaum nachweisbaren Verschmutzung zu einer messbaren, nachverfolgbaren und letztendlich beherrschbaren Verschmutzung überzugehen. Um dies zu erreichen, konzentriert sich der Hub auf drei Hauptschwerpunkte: die Entwicklung innovativer Methoden zur Identifizierung und Charakterisierung dieser Partikel, das Verständnis ihrer Wechselwirkungen mit lebenden Organismen und die Erarbeitung konkreter Lösungen zur Begrenzung ihrer Auswirkungen.
Dieser integrierte Ansatz stützt sich insbesondere auf modernste Technologien. „Dank Rastersondenmikroskopie in Verbindung mit Infrarot- oder Raman-Spektroskopie wird es möglich sein, die Beschaffenheit (oder sogar die Herkunft) der analysierten Mikro- und Nanokunststoffe anhand ihrer mechanischen, viskoelastischen oder chemischen Eigenschaften auf Nanometerskala eindeutig zu bestimmen. Durch eine angepasste standardisierte Methodik und eine originelle korrelative Analyse werden wir in der Lage sein, diese Mikro- und Nanokunststoffe sowie ihre möglichen Veränderungen im Laufe der Zeit zu charakterisieren“, erläutert Prof. Philippe Leclère, Direktor des Labors für Physik der Nanomaterialien und Energie der UMONS und Koordinator der Plattform MateriaLINKS.
Die internationale Positionierung des Haine stärken
Über die Grundlagenforschung hinaus zielt der Hub auch darauf ab, die internationale Positionierung des Haine zu stärken, europäische Projekte zu unterstützen und eine neue Generation von Forschern auszubilden. „Diese Bündelung von Fachwissen und Ausrüstung stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, um einer wissenschaftlichen, industriellen und gesellschaftlichen Herausforderung zu begegnen“, erklärt Luc Langer, Direktor von Materia Nova. „Unsere Universität will sich als international führender Akteur in einem aufstrebenden Bereich positionieren, der an der Schnittstelle von Gesundheit, Umwelt und industrieller Innovation liegt“, ergänzt Ruddy Wattiez, Vizerektor für Forschung an der UMONS.
Mit der Gründung des Hubs für Mikro- und Nanoplastik im Hainaut machen die UMONS und Materia Nova einen entscheidenden Schritt im Kampf gegen eine noch immer kaum verstandene Bedrohung. „Angesichts der Dringlichkeit der Lage haben wir uns entschieden, gemeinsam zu handeln, um künftige Generationen zu schützen. Die Zukunft beginnt jetzt“, schließt Antoniya Toncheva, F&E-Programmleiterin bei Materia Nova.